Interessengemeinschaft Hirzbergbahn e.V.

Historie

Die IG Hirzbergbahn in Kürze

Die Interessengemeinschaft Hirzbergbahn e. V. wurde am 27. Dezember 1993 gegründet. Aus einer Gruppe Gothaer Eisenbahnfreunde entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten ein Verein, der sich der Bewahrung und Vermittlung thüringischer Eisenbahngeschichte sowie der Restaurierung und Erhaltung historischer Fahrzeuge und Sachzeugen dieser Epoche verschrieben hat.

Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stehen heute die Bahnwerkstatt Georgenthal mit ihrem Bestand historischer Schmalspurfahrzeuge sowie der Standort Gotha mit mehreren Regelspurfahrzeugen. Durch Ausstellungen, öffentliche Veranstaltungen und die Restaurierung historischer Fahrzeuge leistet die IG Hirzbergbahn einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung technischer Denkmäler und regionaler Eisenbahngeschichte.

Meilensteine der Vereinsgeschichte

1990 – Auflösung des Deutschen Modelleisenbahn-Verbandes der DDR
1993 – Gründung der IG Hirzbergbahn
1997 – Beginn der Aktivitäten an der Lohmühle
1997–2000 – Öffentliche Fahrten mit Draisinen und Kleinfahrzeugen
ab 2000 – Neuausrichtung des Vereins
ab 2003 – Aufbau des Standortes Georgenthal und Entwicklung zur heutigen Bahnwerkstatt
heute – Restaurierung historischer Schmal- und Regelspurfahrzeuge

1990–1993: Die Vorgeschichte

Die Geschichte der heutigen IG Hirzbergbahn beginnt in einer Zeit großer Veränderungen. Mit der politischen Wende und der Auflösung des Deutschen Modelleisenbahn-Verbandes der DDR im Jahr 1990 verloren viele Eisenbahnfreunde ihre bisherige organisatorische Heimat.

In Gotha traf dies auch jene Eisenbahnbegeisterten, die über Jahre hinweg in den Räumen an der Wilhelm-Bock-Straße gemeinsam ihrem Hobby nachgegangen waren. Mit großem Engagement waren dort Modellbahnanlagen entstanden, die jedoch nach dem Verlust der Räumlichkeiten nicht erhalten werden konnten.

Zunächst zog die Gruppe in das Bahnhofsgebäude Gotha um. Gleichzeitig wandelte sich die bisherige Ausrichtung. Aus der Beschäftigung mit der Modellbahn entwickelte sich zunehmend das Interesse an der realen Eisenbahn und ihrer Geschichte.

Die folgenden Jahre waren von Unsicherheit geprägt. Mehrfach schienen geeignete Räumlichkeiten gefunden, doch Rückübertragungsansprüche ehemaliger Eigentümer verhinderten langfristige Lösungen. Dennoch blieb die Gruppe bestehen und suchte nach neuen Perspektiven für ihr gemeinsames Interesse an der Eisenbahn.

1993: Die IG Hirzbergbahn entsteht

Anfang der 1990er Jahre ergab sich eine neue Möglichkeit. Das Schrauben- und Nietenwerk Tambach-Dietharz plante die Aufgabe seiner Anschlussbahn und bot die dort eingesetzte Werklokomotive vom Typ N4b zum Verkauf an.

Eisenbahnfreunde aus der späteren IG Hirzbergbahn übernahmen die kleine Lokomotive, die anschließend im Lokschuppen Georgenthal untergebracht wurde. Damit verfügte die Gruppe erstmals über ein eigenes Eisenbahnfahrzeug.

Mit dieser Lok entstand zugleich eine neue Zielsetzung. Die Eisenbahnfreunde wollten nicht länger nur sammeln und dokumentieren, sondern aktiv zum Erhalt von Eisenbahngeschichte beitragen. Im Mittelpunkt stand dabei die Nebenbahnstrecke Georgenthal–Tambach-Dietharz.

Aus dieser Idee entwickelte sich die Vision eines Museumsbahnbetriebs. Am 27. Dezember 1993 wurde schließlich in der „Bayrischen Gaststätte“ in Georgenthal die Interessengemeinschaft Hirzbergbahn Georgenthal–Tambach e. V. gegründet.

Der Vereinsname erinnert an den Hirzberg bei Georgenthal und damit an die historische Eisenbahnverbindung Georgenthal–Friedrichroda, deren Streckenabschnitt bereits 1947 abgebaut wurde.

Die Gründung markierte den Beginn einer Entwicklung, die den Verein bis heute prägt.

1993–1997: Sammeln und Standortsuche

Mit dem Besitz der ersten Lokomotive begann für den jungen Verein eine Phase des Aufbaus. Eisenbahntechnische Einrichtungen, Signale, Fernmeldetechnik sowie verschiedenste Ausrüstungsgegenstände wurden gesammelt, dokumentiert und eingelagert. Gleichzeitig entstand die Idee einer späteren Ausstellung.

Doch erneut stellte die Standortfrage ein Problem dar. Der Lokschuppen Georgenthal sollte abgerissen werden. Auch ein Angebot zur Nutzung des ehemaligen Stellwerks in Waltershausen wurde geprüft. Letztlich blieb die Suche nach einem dauerhaften Standort zunächst ungelöst.

1997–2000: Die Jahre an der Lohmühle

Ein wichtiger Wendepunkt ergab sich im Jahr 1997. Der Eigentümer der Lohmühle, Herr Manfred Bach, bot der IG Hirzbergbahn an, ihre Aktivitäten auf dem Gelände des neu gegründeten Lohmühlenmuseums zu integrieren.

Bereits zur Eröffnung fanden erste Fahrten mit einer Handhebeldraisine statt. Sie stießen auf großes Interesse und machten deutlich, welches Potenzial in der historischen Bahnstrecke lag.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Lohmühlenmuseum erhielt der Verein erstmals einen festen Ort für seine Aktivitäten. Gleichzeitig konnten weitere Fahrzeuge beschafft werden. Dazu gehörten eine weitere Lokomotive vom Typ N4b sowie eine Lokomotive vom Typ V 22 B, beide aus dem ehemaligen Fahrzeugwerk Gotha.

Zwischen 1997 und 2000 entwickelte sich die Lohmühle zum Mittelpunkt der Vereinsarbeit. Mit einem SKL 25 und einer Motordraisine KLV 12 wurden regelmäßig öffentliche Fahrten durchgeführt, die zahlreiche Besucher anzogen.

Erstmals war der Verein für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar geworden. Die Lohmühlenjahre gelten daher bis heute als eine der prägendsten Phasen der Vereinsgeschichte.

Leider mussten die Fahrten später eingestellt werden. Für den Verein bedeutete dies einen erheblichen Rückschlag.

Ab 2000: Die Neuausrichtung

Nach mehreren Jahren wurde deutlich, dass das ursprüngliche Ziel eines umfassenden Museumsbahnbetriebs auf der Strecke Georgenthal–Tambach-Dietharz nicht mehr realisierbar sein würde. Die Kommunen übernahmen die Strecke von der Deutschen Bahn. Teile der Trasse wurden zurückgebaut oder einer anderen Nutzung zugeführt. Damit verloren die bisherigen Planungen ihre Grundlage.

Der Verein reagierte auf diese Entwicklung mit einer grundlegenden Neuausrichtung. Statt den Fahrbetrieb in den Mittelpunkt zu stellen, konzentrierte sich die Vereinsarbeit fortan auf die Restaurierung und den Erhalt historischer Fahrzeuge.

Georgenthal wurde gezielt als musealer Standort für die Bewahrung thüringischer Schmalspurfahrzeuge ausgewählt. Zu diesem Zeitpunkt widmete sich – abgesehen vom Deutschen Eisenbahn-Verein (DEV) mit den Geraer Salonwagen – kein anderer Verein dieser besonderen Aufgabe. Vor diesem Hintergrund entschied sich der Verein, verstärkt die letzten erhaltenen Zeugnisse der einst umfangreichen Thüringer Schmalspurbahnen zu sichern, zu bergen und schrittweise einer Aufarbeitung zuzuführen.

Während in anderen Bundesländern zahlreiche Schmalspurbahnen museal erhalten werden und in Betrieb sind, beschränkt sich der aktive Schmalspurbetrieb in Thüringen heute im Wesentlichen auf die Thüringerwaldbahn sowie den Südabschnitt der Harzquerbahn. Mit der Entscheidung für die Sammlung und Erhaltung dieser Fahrzeuge betrat die IG Hirzbergbahn in der Thüringer Eisenbahnszene Neuland und übernahm eine besondere Verantwortung für die Bewahrung dieses wichtigen Abschnitts der Eisenbahngeschichte.

Dazu wurde in Georgenthal ein ehemaliges Sägewerksgelände als neuer Standort erschlossen. Schritt für Schritt entstand dort die heutige Bahnwerkstatt, in der historische Fahrzeuge aufgearbeitet und langfristig erhalten werden.

Gleichzeitig begann die gezielte Sammlung von Fahrzeugen der Thüringer Schmalspurbahnen. Ziel war es, die letzten erhaltenen Fahrzeuge dieser Epoche vor dem Verlust zu bewahren und für kommende Generationen zu sichern.

Parallel dazu entwickelte sich am Standort Gotha ein weiterer Schwerpunkt. Dort werden heute die regelspurigen Fahrzeuge des Vereins unterhalten und eingesetzt.

Die Neuausrichtung ermöglichte es dem Verein, sich dauerhaft auf realistische und zugleich nachhaltige Ziele zu konzentrieren. Aus der ursprünglichen Idee einer Museumsbahn entwickelte sich so ein bedeutendes Zentrum für die Erhaltung historischer Eisenbahnfahrzeuge in Thüringen.

Die IG Hirzbergbahn heute

Heute verbindet die IG Hirzbergbahn historische Forschung, praktische Denkmalpflege und ehrenamtliches Engagement. Die Vereinsarbeit konzentriert sich auf die Erhaltung wertvoller Eisenbahnfahrzeuge sowie die Vermittlung regionaler Eisenbahngeschichte.

In der Bahnwerkstatt Georgenthal werden historische Schmalspurfahrzeuge aufgearbeitet. Besonders die Fahrzeuge der ehemaligen Thüringer Schmalspurbahnen stehen dabei im Mittelpunkt. Ziel ist es, die letzten erhaltenen Zeugnisse dieser einst weit verbreiteten Bahnen langfristig zu sichern und für kommende Generationen zu bewahren.

Zu den bedeutenden Projekten der vergangenen Jahre zählen die Restaurierung des Personenwagens KB 901-252, die Aufarbeitung des Gepäckwagens KD4 904-101 sowie die begonnene Restaurierung des Gepäck- und Postwagens CPw 10.245p.

Gemeinsam mit weiteren Fahrzeugen entsteht dadurch Schritt für Schritt ein historisches Fahrzeugensemble, das an die Eisenbahngeschichte Mitteldeutschlands erinnert.

Am Standort Gotha werden darüber hinaus mehrere Regelspurfahrzeuge unterhalten. Diese kommen bei Arbeitszugeinsätzen sowie für betriebliche Aufgaben zum Einsatz. Ein besonderes Projekt ist der zweiachsige Dieseltriebwagen, der 1934 in der Waggonfabrik Gotha gebaut wurde und damit eine direkte Verbindung zur Industriegeschichte des Standortes Gotha besitzt.

Neben der technischen Arbeit engagiert sich der Verein auch in der öffentlichen Vermittlung von Eisenbahngeschichte. Hoffeste, Modellbahnausstellungen, Veröffentlichungen im IGHB-Infoblatt sowie Führungen durch die Bahnwerkstatt ermöglichen Besuchern einen Einblick in die vielfältige Vereinsarbeit.

Weitere Informationen zu den Standorten finden Sie hier:

Bahnwerkstatt Georgenthal und Schmalspurfahrzeuge

Standort Gotha und Regelspurfahrzeuge

Ausblick

Mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Gründung verfolgt die IG Hirzbergbahn weiterhin das Ziel, Eisenbahngeschichte lebendig zu erhalten.

Die begonnenen Restaurierungsprojekte werden Schritt für Schritt fortgeführt. Gleichzeitig sollen bestehende Fahrzeuge langfristig gesichert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Veranstaltungen, Ausstellungen und die Arbeit an historischen Fahrzeugen zeigen, dass Eisenbahngeschichte nicht nur bewahrt, sondern auch aktiv vermittelt werden kann.

Die Geschichte der IG Hirzbergbahn ist damit noch lange nicht abgeschlossen. Sie wird durch die Arbeit ihrer Mitglieder, Unterstützer und Förderer auch in Zukunft weitergeschrieben.